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03.09.20 um 20 Uhr

 

in kleinen Gruppen in der Kirche St. Margartha in Sichtigvor durchgeführt.

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16.04.20

Our father in Heaven

(Mt 6,9-13)

 

Das „Vater unser“: DAS Gebet der Christenheit. Das Gebet, von dem es in der Liturgie heißt: “Lasst uns beten, wie Christus uns zu beten gelehrt hat.“ Das Gebet, das die Christenheit eint oder zumindest verbindet und uns auch mit unseren älteren, jüdischen Geschwistern im Glauben verbindet.

Es ist Bitte und Lobpreis, Lobpreis und Bitte! Es drückt Bitte und Bekenntnis zum Schöpfergott aus. Jesus selbst betet zum Vater auf diese Weise.

Wir sind Geschwister im Glauben, wir reden mit/zu Gott als dem Vater (Abba=Papa): „Vater unser“! Gebet ist Dialog, Zwiegespräch mit uns selbst, mit anderen, mit Gott. Gebet braucht nicht zwingend Worte. Gebet kann im Atmen, in der Meditation geschehen, in der Lücke zwischen zwei Gedanken, im Singen, so wie wir als Chor es oft tun...

In zwei Evangelien kommt das Vater Unser vor: bei Matthäus (Mt 6) und bei Lukas (Lk 11). Kleine Nuancen unterscheiden den griechischen Wortlaut und die spätere lateinische Übersetzung. Unzählige Schriftkundige haben sich bis in die heutige Zeit mit Text und Tradition auseinandergesetzt. Die lateinische Übersetzung des Lukasevangeliums hat den Einzug in die Liturgie gehalten und damit die Übersetzung der sogenannten Brotbitte geprägt: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ „Gib uns heute das Brot, das wir brauchen“ so heißt es in der Einheitsübersetzung sowohl bei Matthäus als auch bei Lukas.

Die Brotbitte: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Manche übersetzen auch: „Das Brot, das wir lebensnotwendig brauchen, gib uns heute. Für biblische Menschen ist das Brot das Grundnahrungsmittel, das Lebensnotwendige, das „Lebensmittel“ schlechthin. Es ist letztendlich gottgegeben, DIE Schöpfergabe schlechthin. Und das gilt in vielen Ländern bis heute.

Der Geburtsort Jesu: Bethlehem („bet lehem“wörtlich: „Haus des Brotes“) oder gut sauerländisch „Brothausen“ ist schon eine theologische Aussage an sich.

Da schwingen, ob man oder frau will, sofort die Hamsterkäufe an Mehl und Hefe mit, die wir in diesen Tagen der Pandemie erleben. Gut, für ein Fladenbrot benötigt man keine Hefe, aber zumindest Mehl. Viele schauen nach wie vor vergeblich in Regale und würden gerne das lebensnotwendige Mehl in der lebensnotwendigen Ration (!) kaufen. Aber auch hiesige Sauerländer Müllerfamilien wissen von Mehlkäufen in Riesenmengen zu berichten, in alles andere als haushaltsüblichen Mengen, für alles andere als nur „das tägliche Brot“.

Es geht um das Brot, das wir zum Überleben brauchen und für den biblischen Menschen symbolisiert Brot genau das: Das (Über-)Lebensnotwendige, nicht mehr und nicht weniger.

In unserer christlichen Liturgie ist das Brotbrechen und damit das Teilen zentral, nicht das „me first“, ich zuerst. Und damit ist die Brotbitte im Vater Unser auch eine Mahnung, dass wir uns das immer wieder fragen: Was ist lebensnotwendig? Und was nicht? Eine durchaus schmerzhafte Frage in einer Zeit und in einer Welt, in der alles verfügbar scheint oder schien. Und dieses „sich Hinterfragen“ ist schwer, haben wir die Fastenzeit doch gerade erst hinter uns. Es ist ja auch ein gutes Gefühl, Sicherheit zu haben, mehr zu haben, zu besitzen, kaufen zu können als wir brauchen. Wenn wir es ernst nehmen, ist das Vater Unser damit auch Mahnung, dass wir uns dies immer wieder fragen: Was brauche ich wirklich?

Diese Erfahrung machen wir ja gerade auch: wir spüren, dass wir einander brauchen, dass wir bereit sind, solidarisch zu sein, zu teilen, sogar zu verzichten. Wir verzichten auf soziale Kontakte, auf Nähe, die ebenfalls lebensnotwendig ist.

So ist das Vater Unser neben Gebet, Bitte und Lobpreis eine an uns gerichtete Mahnung. Die größte Herausforderung wird immer sein, uns selbst und unser Handeln in Frage zu stellen und nur darum zu bitten: „Unser tägliches (notwendiges) Brot gibt uns heute.“ Was wir zum Leben brauchen und von dem wir glauben, dass es von Gott kommt als dem Lebensspender schlechthin.

 

Eine andere Bitte aus dem Vater Unser, sehr umstritten in der Interpretation und in dem zugrundeliegenden Gottesbild: „Und führe uns nicht in Versuchung“. Noch im letzten Jahr wurde von offizieller kirchlicher Seite angeregt, den Wortlaut des „Und führe uns nicht in Versuchung“ zu verändern und damit scheinbar in seinem Gottesbild zu glätten. Es hörte sich für einige nach einem Gott an, der die Menschen versucht, in die Irre führt, auf die Probe stellt. Hierin einen Gott zu sehen, vor dem sich die Menschen bewähren müssen, wird dem biblischen Text, dem Gebet und seiner Tradition nicht gerecht. So sind es doch eher die eigenen tiefen seelischen oder sozialen Abgründe und Versuchungen, die wir von uns selbst kennen und die auch ein Schöpfergott von uns kennt: Dass wir immer in die Versuchung geraten, dass es nur um uns geht und unser Leben. Wir bekennen uns dazu, dass letztlich nur Gott uns in seiner Gnade vor diesen Versuchungen und Abgründen retten und heilen kann. Das Vater Unser so zu beten und zu meditieren bringt uns uns selbst näher, den Menschen, die mit uns auf dieser Erde leben und damit auch Gott.

 

Wenn wir das Musical MESSIAH aufführen, werden wir diese Erfahrungen bedenken. Das Vater unser aus dem Musical dauert ungefähr 4:30 Minuten, also 9 mal Händewaschen und das „Vater Unser“ beten, genug Zeit zum Nachdenken!


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© Herbert Hahner, Mixed Voices e.V.